K├╝nstlerische Konzeption

Jede meiner Arbeiten, Figur, Akt, Porträt oder Landschaft, Malerei oder Grafik, hat ihren Ursprung in der Realität, nicht im weitesten Sinn, sondern durch direkten Bezug, bspw.  durch eine Zeichnung, ein Foto, die visuelle Erinnerung.
In den letzten Jahren inspiriert mich zusehends Landschaft.
Hierbei konzentriere ich mich auf wenige Rahmenthemen, die über Jahre immer wieder neu gesehen werden: Gebirgsbäche, Steine und Felsen, Steinwüsten oder Wald oder der Himmel in seinen unzähligen Erscheinungen. Variiert zu Zyklen oder Serien.
Dabei geht es mir nicht um die Wiedergabe einer konkreten Landschaft, um ein Landschaftsporträt, sondern um die Natur als ganzheitliche Erscheinungsform, als Teil der Welt. Verschieden Gesehenes fügt sich in der Erinnerung zusammen, durchdringt sich, wird eine neue Einheit, ein bildnerischer Gedanke von Farben und Formen.
 Ich bilde also nicht etwas ab, sondern reflektiere die inneren Gesetzmäßigkeiten, die in der Malerei liegen; der Gegenstand tritt an Bedeutung zurück, er wird in den Bildern erfahrbar, wie eben die Natur selbst.
Es ist ein Ringen um die größtmögliche Klarheit der Form und somit des Inhalts, wobei ich Literarisches und Anekdotisches – auch nur in Ansätzen- eliminiere.
Ich bemühe mich also, eine objektivierte, zeitlose und ganzheitliche Sicht auf die Dinge zum Ausdruck zu bringen.
Oftmals ausgehend von einem beobachteten, geradezu zündenden Detail suche  ich eine Komposition, die  trotz  oder gerade wegen ihrer „Künstlichkeit“ adäquat die Realität in neuen Zusammenhängen widerspiegelt, versteckte Strukturen aufzeigt.
Thematisiert, indem sie z. B. figurative Assoziationen ermöglicht oder Landschaft  metaphorisch hinterfragt.
Romantische oder mythische Assoziationen stellen sich möglicherweise beim Betrachter ein. Ich versuche, diese im Prozess der Arbeit zu zerstören, denn: die Idylle ist trügerisch.
Innere Zweifel der Realitätsferne räume ich mit Texten der Moderne aus.
Meine Arbeit ist ein malerisches Experiment mit  vereinfachten Formen und  bisweilen  großzügigen Farbflächen. Die Form wird aus der Energie der Farbe entwickelt- Farbformen, welche zur Bildidee fungieren und Ausdrucksträger werden. Umgesetzt mitunter in Phasen rauschhafter Niederschrift, gewissermaßen aus dem Bauch heraus, auch vom Zufall gelenkt, sichtbar auf traditionellen Malgründen wie Papier, Hartfaser und Leinwand mit expressivem Duktus.
Assoziation von Licht. Farbräume öffnen sich aus der Fläche heraus.
Insgesamt gesehen ist mein Gestaltungsprozess ein sehr langwieriger; bezüglich der Komposition und des Inhalts ein dialektischer von permanenter Zerstörung und Verdichtung Ordnen und Strukturieren von Flächen. Läuterung des Themas mittels zeitlichen Abstands.
Das Ergebnis zeigt sich - im günstigen  Fall -, in einem Schwebezustand von Abstraktion und Vereinfachung, was den Betrachter sichtlich fordert, ihn aber auch mit inhaltlicher Mehrdeutigkeit, interpretatorischen Freiräumen und relativer Zeitlosigkeit entschädigt.

                                                                                           
                                                               Jürgen Schnelle, September 2008 und August 2012