Kultur Treptow- Köpenick

Noch bis 10. November sind die freien, assoziativen Werke des Künstlers Jürgen Schnelle im Studio Bildende Kunst, Lichtenberg zu sehen. Eine anregende Ausstellung, die Lust auf mehr macht. Die farbigen Bilder faszinieren durch expressive Farbigkeit, die jenen sinnlichen Reiz formuliert, der zum Vertiefen inspiriert – oder einfach zum Weiterträumen: Die Dinge nach ihren Ursprüngen oder Wegen erkunden. Die Technik des Farbholzschnittes spricht von Fundstücken, die auf Sprödigkeit, das Eigenleben der verwendeten Materialien weist, Deurungen mit einbringt, überraschende visuelle Effekte, die nie vorher geplant werden können. Konzentration und Zufall. Wolke, Kopf, Himmel? Der eigentliche Reiz ist die Verwandlung, die Variation. Sämtliche Drucke sind Unikat.

Zitat aus: Kulturamt Treptow-Köpenick


Thema und Variation, Farbholzschnitte von Jürgen Schnelle

Nordbayerische Nachrichten vom 14.10.2010

Jürgen Schnelle sorgt für Rätsel: Er ist so ein herzlicher, freundlicher Mensch und malt trotzdem so wilde Bilder. Aber er nennt den Schlüssel dazu: „Meine Bilder müssen Sie sich lange angucken, das ist wichtig. Genauso lang wie ihr Entstehungsprozess war.“ Also ellenlang. Denn der Berliner, 65, malt zum Teil acht Mal darüber. Oder er schneidet gelungene Partien raus und flickt sie woanders ein. Manche Bilder nimmt er auch nach der Ausstellung her und malt drüber. Dazu kommt die Zeit vor dem Losmalen: Jürgen Schnelle ist ein Reisefreak, der die ganze Welt besucht, vornehmlich Sibirien, Georgien und den Norden. Überall lässt er sich inspirieren   , aber zunächst nur für gröbste Skizzen, z. B. aus Mexiko oder Fernost. Daheim lässt er sie noch mal liegen, bis die Gefühle zur Ruhe gekommen sind.
So war es in Island: „Das war eine nachhaltige Reise. Die braucht Zeit zum Setzen. Dieses Karge, das Metaphysische` – was ja hochtrabend klingt. Aber auf so einer vulkanischen Hochfläche bist du ein Staubkorn.“
Steht Jürgen Schnelle dann endlich  vor seiner großen Papierbahn, ringt er „um größtmögliche Klarheit der Form und des Inhalts“ – was aber überhaupt nicht dem Ergebnis entspricht. Das ist nämlich wüst, angeregt durch ein spätes Zweitstudium…. in Westberlin…Schnelle lernte dort ab 1993 „frei mit dem Gegenstand umzugehen“. Aber das Interessante ist, dass er recht hat mit seinem Tipp, die wilden Pinselstriche und düsteren Farben einmal lang anzusehen. Dann eröffnen sie: Jürgen Schnelle ist im Herzen wie ein kleiner Junge, der mit unglaublicher Begeisterung in die Landschaften der Welt taucht, sich elementar treffen lässt, wie berauscht ist und das mit großer Freude ausdrückt, immer wieder, notfalls mit achtfachem Übermalen.
Ein kleines Seitenthema ist dabei der Wald. Ihn könnte er in 30 Variationen zeigen, sagt er, unerschöpflich. Sein Waldbild hier verkauft er nicht. Warum? Weil er im Wald mehr sieht als der Normalbürger- das Mütterliche, das Mystische, seine Wesen. Das will er bei sich behalten.

 

   Zitat aus: Islands Vulkane begeistert wild gemalt von Thomas Knauber   

Nordbayerischer Kurier vom 04.10.2010

…Setzt der Besucher nun seinen Fuß in den Roten Saal, erwartet ihn ein Kontrast in jeder Hinsicht. Farbigkeit, Technik und Motive der Arbeiten von Jürgen Schnelle stürmen auf ihn ein und es bedarf einiger Sekunden, bis sich das Auge an die Wucht der seiner Bilder gewöhnt hat. Mit Dispersionsfarben Acryl und Öl gestaltet der Künstler aus Berlin Landschaften, Steine, Felsen, Steinwüsten oder den Himmel in seiner Vielfältigkeit. Dabei ist es nicht sein Ziel, konkrete Topografien abzubilden, sondern ihn interessiert der „Farbklang, der Farbakkord der Landschaften“. Für die Ausstellung in Hollfeld hat er zwei Themengruppen ausgewählt. Zum einen sind es karge Landschaften, wie er sie auf seinen Reisen vorgefunden hat. Zum anderen fasziniert Jürgen Schnelle das Motiv des Waldes, das er in verschiedenen Variationen eindrücklich wiedergibt.
Seinem Wald haftet etwas Rätselhaftes, Unheimliches an, der aber erforscht werden will. Dieser Wald lockt, ihn zu betreten und sein Geheimnis zu ergründen…..Jürgen Schnelle (hat)
den Gegenstand zugunsten der Farbe bis auf ein Minimum reduziert.
Beide Künstler waren bereits bei den internationalen Kunstausstellungen der Hollfelder Kulturfreunde mit ihren Arbeiten vertreten. Die aktuelle Quartalsausstellung zeigt nun den reizvollen Kontrast zweier Künstler, die durch die unterschiedliche Wahl ihrer Technik und ihrer Motive in ihren eigenen, speziellen künstlerischen Kosmos einladen.

 

Zitat aus: Der doppelte Jürgen von Barbara Plittner   

Passauer Neue Presse am 5./ 6. April 2008

…Zu Island verspürt der Künstler eine starke Affinität. dies wiederum verspürt auch der Betrachter angesichts jenes unwirklichen, schwebenden Island- Motivs „Hrerarönd“ neben jenem „Wald II“ an der Stirnseite des Raumes. Die Arbeiten strahlen bisweilen in ihrer dunklen Farbigkeit, vermitteln mitunter eine schwer zu fassende Tiefe, wie das halb verdeckte Gesicht des „Spaniers“.

 

 Zitat aus:    Berliner Maler wählt Kurstadt als Präsentationsort von Marita Pletter

Berliner Morgenpost vom 15.03.1990

Jürgen Schnelles Menschenbilder gehören in ihrer faserig-nervösen Strichhaftigkeit zum Beeindruckendsten, was die Ausstellung zu bieten hat.


 Zitat aus: Treptow-Kunst stellt sich in Neukölln vor  von Jens Arndt

Ausstellung Galerie im Rathaus, Berlin-Treptow, 1990

„Sein Interesse an figürlichen Kompositionen, an der Darstellung des Menschen und dessen psychologischer Deutung bestimmen seither sein künstlerisches Schaffen. Die visuelle farbige Auflösung bis hin zur Abstraktion ist der Ausgangspunkt seiner Inspiration. In seinen Gemälden ist Jürgen Schnelle expressiv farbig. Er malt mit schnell trocknenden Deckfarben, sie entsprechen seinem Temperament beim Arbeiten.
Der Künstler hat sich über eine Reihe von Jahren intensiv dem Porträt gewidmet. Als Ergebnis mehrerer Reisen durch die Sowjetunion entstanden beeindruckende Bildnisse von Bewohnern Kaukasiens und Georgiens. In diesen Gesichtern begegnet uns die stille Größe und Schlichtheit eines schweren Lebens. Ein schneller Blick bringt dem Betrachter nicht die Erfüllung. Analytisch dringt unser Auge durch die Strukturen fauvistischer Malkultur, nach Ruhepunkten wie Augen, Mund,  Nase suchend, bis sich die dargestellte Person zu erkennen gibt.
Im letzten Jahr hat Jürgen Schnelle seine Formensprache wieder dichter, konkreter werden lassen. Die Farben wurden strenger, disziplinierter eingesetzt, das Schwarz hat an Dominanz gewonnen.
Anfang 1989 entstand das Bild „Hockender“. Es ist heute ein Sinnbild für die inneren Lasten, die so Mancher in sich trug, litt, von denen er vsich nicht mehr aufrichten konnte. Neben den Porträt und Gruppenkompositionen entstanden auch Landschaftsdarstellungen. In der Sowjetunion hielt der Künstler in farbig ausgewogenen Aquarellen landschaftstypische Stimmungen und Augenblicke fest. Vergleichbare Aquarelle schuf er an der märkische Seenplatte.
Der Grafiker Jürgen Schnelle bereitet seine großformatigen Holzschnitte und Radierungen durch kleine Zyklen vor. Die Literatur ist der große Inspirator für den historisch sehr interessierten Künstler.
Themen der Vergangenheitsbewältigung werden  in der Grafik künstlerisch umgesetzt. Hier spielt für ihn die sowjetische Literatur, wie z. B. Ilja Ehrenburg eine wichtige Rolle.

                                                                                                    Constanze Albrecht